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Nannis Baum

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Nannis Baum

Notre expert

Nannis Baum

Bei Margaret Rettich

Informationsquelle Mondo Verlag (Wintertraum und Sternenglanz)

Als Nanni und Papa am Samstag miteinander frühstückten, fuhrwerkte Mama hinter ihnen herum und zählte auf, was sie heute alles erledigen musste. Sie musste die Wohnung putzen. Und Plätzchen backen. Und ein Paket von der Post abholen. Und auf dem Markt eine Gans kaufen. Und endlich Weihnachtskarten schreiben. Und Oma anrufen. Und den Christbaumständer reparieren. 

- “Und zu alledem“, rief sie,“haben wir immer noch keinen Baum. Auch darum muss ich mich kümmern.“

- “Musst du nicht, darum kümmern sich Nanni und ich“, sagte Papa, der gerade in der Zeitung ein Inserat entdeckt hatte. Er las vor:

FRISCH ZUM FEST: Der Weihnachtsbaum direkt aus dem Wald.
Selber aussuchen, selber absägen, selber transportieren, heute, am Samstag, zwischen zehn und sechzehn Uhr.“

Mama sagte: “Ihr bringt mir bestimmt einen Baum, der schief und krumm ist. Ich komme lieber mit!“

Es war ziemlich weit. Nachdem sie ein ganzes Ende gefahren waren, bogen sie von der Strasse ab. Ueber einen rumpligen Waldweg kamen sie auf eine Lichtung, wo schon viele andere Autos waren. Papa fand erst einen Parkplatz, als vor ihnen ein Transporter wegfuhr, der auf seinem Dach einen ganzen Berg von verschnürten Nadelbäumen hatte.
    
Ueberall streiften Leute mit Kindern und Hunden durch den Wald. Die meisten hatten Sägen und Aexte bei sich. Manche zerrten einen Baum hinter sich her zum Auto. Sie mussten bei einem Bauern vorbei, der vor seinem Traktor auf dem Waldweg stand. Er hielt eine Messlatte an jeden Baum und kassierte. In einer Holzbude nebenan verkaufte die Bäuerin Schmalzbrote und heissen Tee. Mama wartete nicht, bis Papa aus dem Kofferraum die Säge geholt hatte. Sie stürzte gleich in den Wald hinein. Wahrscheinlich hatte sie Angst, dass ihr jemand den schönsten Baum vor der Nase wegschnappte. Papa und Nanni stapften hinterher. Nanni konnte nicht so schnell, denn das welke, abgestorbene Gras war sehr hoch und dicht. Mama war ihnen schon weit voraus und begutachtete jeden Baum. Einer war ihr zu hoch, einer zu niedrig, einer zu struppig, einer hatte stachlige Nadeln, einer war unten kahl, keiner war ihr recht.

Endlich drehte sich Mama um. Sie zeigte auf einen Baum und rief: “Den hier nehmen wir’“ Gerade, als sie das rief, schoss vor ihrer Nase ein schöner bunter Vogel aus den Zweigen und flog laut rufend davon.
   
- “Das war ein Eichelhäher“, sagte Papa und legte die Säge unten an den Stamm.

- “Lass sofort den Baum stehen!“, rief Nanni, “da drin wohnt doch der Vogel!“

- “Lass ihn meinetwegen stehen“, sagte Mama, die um den Baum herumgestiefelt war. Sie hatte festgestellt, dass er hinten ganz flach war. Nun sah sie sich um und rief: 
- “Nanni, lauf nicht weg!“ Nannis roter Anorak leuchtete durch die Bäume. Atemlos kam sie angerannt und schrie: “Ein RehIch habe ein richtiges Reh gesehen!“ Schon rannte sie wieder fort.
   

Papa und Mama rannten hinterher. Am Waldrand hockte Nanni unter einem Baum und sagte:  “Es ist hier hineingekrochen.“
- “Jetzt rennt es da hinten“, sagte Papa und zeigt hinaus auf das Feld. Das Reh war kaum noch zu erkennen. Mama hatte sich inzwischen den Baum angeguckt und meinte:“

- "Wir nehmen diesen hier.“
Papa wollte die Säge anlegen, da fuhr Nanni dazwischen.

Empört rief sie :

"Lass den Baum stehen ! Da drin wohnt doch das Reh!“

Hör mal, Nanni“, sagte Mama. “Wie sollen wir zu einem Baum kommen, wenn immer jemand drinnen wohnt?“
Das wusste Nanni nicht.

Mama suchte weiter und fand auch einige Bäume, die ihr zusagten. Aber im ersten Baum wohnte eine Maus, die genau vor Nannis Augen weghuschte. Im nächsten Baum war ein leeres Nest, in dem bestimmt im Sommer jemand wohnte. Und unter dem dritten Baum war ein Loch. Dort wohnte entweder ein Dachs oder sogar ein Fuchs. Immer, wenn Papa mit der Säge kam, rief Nanni:

-“Lass den Baum stehen!“ Mama jammerte: Warum bin ich mitgekommen, wo ich daheim so viel zu tun habe.“
Und als sie wieder auf der Lichtung beim Auto standen, fragte Papa: “Was nun?“

-“Nun lassen wir alle Bäume im Wald stehen“, beschloss Nanni.
-“Dann müssen wir ja Weihnachten ohne Baum feiern“, sagte Papa und Mama und bestellten an der Holzbude heissen Tee.
-“Ohne Weihnachtsbaum, das ist aber traurig“, sagte die Bäuerin die zugehört hatte.
-“Nanni hat es beschlossen“, sagte Papa, und Nanni nichte. Die Bäuerin sah Nanni an und überlegte. Dann fragte sie: 
-“Wenn nun der Baum zurück in den Wald darf, würdest du ihn dann mitnehmen?“
-“Das geht doch nicht“, sagte Nanni.

-“Das geht, komm mal mit“, sagte die Bäuerin. Nanni zeigte auf einen Baum mit dichten blaugrünen Nadeln. Die Bäuerin stach den Spaten in den Boden und kippte ihn. Dann hob sie Nannis Baum mit allen Wurzeln aus der Erde. Sie band ihn unten in einen Sack ein. « Halt ihn gut feucht », sagte sie. “Und nach dem Fest bringst du ihn gleich wieder hierher. Du triffst uns bestimmt. Wir arbeiten im Winter hier im Wald.“

Der kleine Baum sah wunderhübsch aus, als Mama und Nanni ihn geputzt hatten. Er stand in einem Eimer mitten auf der Kommode, und Nanni gab ihm jeden Tag ein bisschen frisches Wasser. Gleich nach dem Fest musste Papa mit ihr in den Wald fahren. Nanni sass hinten im Auto und hielt den kleinen Baum auf dem Schoss. Neben ihr lagen eine Tüte voll Plätzchen und eine Flasche Wein. Das hatte ihnen Mama für die nette Bäuerin mitgegeben. Nanni merkte sich genau die Stelle, wo ihr Baum wieder eingeplanzt wurde. Aber sie hätte ihn auch so erkannt, als sie im Sommer mit Papa und Mama dort spazieren ging. Zwischen seinen Zweigen wehten nähmlich ein paar Fäden Lametta. Doch er war kerngesund und hatte von oben bis unten frische grüne Spitzen.

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